Zinseszins: Erträge auf Erträge#
Der Zinseszins ist das einzige Gratis-Mittagessen, bei dem es auch noch Nachtisch gibt.
Im ersten Jahr bekommst du Rendite auf dein Geld. Im zweiten Jahr auf dein Geld und auf die Rendite vom Vorjahr. Am Anfang ist das Kleingeld. Am Ende ist es die Hauptsache. Deshalb schlägt früh anfangen groß anfangen.
Erst schätzen
Eingezahlt hast du davon 144.000 €. Der Rest sind Erträge auf Erträge.
Schau dir die letzten beiden Zeilen an. Zehn Jahre mehr kosten dich 36.000 € eigenes Geld und bringen etwa 390.000 € an Wert. Der Motor will Zeit, viel dringender als Sprit.
Was eine Aktie ist#
Eine Aktie ist ein Stück eines Unternehmens. Gehört sie dir, gehört dir ein Anteil an den Fabriken, der Software, den Marken und den künftigen Gewinnen.
Du verdienst auf zwei Wegen: Das Unternehmen schüttet einen Teil seines Gewinns als Dividende aus, und der Kurs steigt, wenn das Geschäft wertvoller wird.
Hinter den Börsenkürzeln stehen Leute, die morgens aufstehen und versuchen, mehr zu verkaufen und weniger auszugeben. Daher kommt die Rendite. Ein Casino ist das nicht, außer du bestehst darauf, es wie eins zu spielen.
Fun Fact: Marx wollte, dass den Arbeitern die Produktionsmittel gehören. Dafür reichen ein Depot und ein Sparplan. Ganz ohne Revolution, ohne Zentralkomitee, und die Regale im Supermarkt bleiben voll.
Warum breit streuen#
Ein einzelnes Unternehmen kann auf null fallen. Auch eins mit berühmtem Namen.
Die Gewinner vorher zu erkennen ist schwer. Selbst für Profis, die das in Vollzeit machen und sich den Versuch von dir bezahlen lassen. Also würde ich es gar nicht erst probieren. Ich würde alle kaufen.
Für Länder gilt dasselbe. Egal, wo in Europa du lebst: Deine Heimatbörse ist ein kleines Stück aller Unternehmen der Welt. Dein Gehalt, dein Rentenanspruch und vermutlich deine Wohnung hängen schon an diesem einen Land. Deine Aktien müssen das nicht.
Gehören dir Tausende Unternehmen aus vielen Ländern und Branchen, kostet dich eine einzelne Pleite einen Bruchteil eines Prozents. Übrig bleibt das Risiko des Gesamtmarkts. Das kriegst du nicht weggestreut, und genau für dieses Risiko wirst du bezahlt.
Indexfonds und ETFs#
Ein Index ist eine Liste von Unternehmen mit Regeln. Der MSCI World zum Beispiel enthält 1.280 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern (August 2026).
Ein Indexfonds kauft, was auf der Liste steht, im selben Verhältnis. Niemand wird dafür bezahlt, eine Meinung zu haben. Deshalb ist er billig.
Ein ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird. Du kaufst ihn über einen Broker wie eine Aktie oder per monatlichem Sparplan.
Erst schätzen
Stand August 2026. Die „Welt“ ist vor allem ein Land.
Risiko ist nicht Volatilität#
Volatilität ist, wie stark der Kurs schwankt. Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dein Ziel nicht erreichst oder Geld dauerhaft verlierst.
Zwei völlig verschiedene Dinge:
- Ein weltweiter Aktienfonds ist volatil. In einem Crash kann er die Hälfte seines Werts verlieren. Über lange Zeiträume hat er sich bisher jedes Mal erholt.
- Ein Sparkonto ist kein bisschen volatil. Aber wenn es 30 Jahre lang weniger bringt als die Inflation, verlierst du mit Sicherheit Kaufkraft. Ganz ruhig, ganz leise, garantiert.
Bei Geld, das du in zwei Jahren brauchst, ist Volatilität ein echtes Risiko. Bei Geld, das du in 25 Jahren brauchst, ist das größere Risiko, nicht investiert zu sein.
Anlagehorizont#
Eine Regel, die ich nützlich finde: Geld, das du in den nächsten fünf Jahren brauchst, hat in Aktien nichts verloren. Geld, das du 15 Jahre oder länger nicht anfasst, hält die Schwankungen aus.
Alles dazwischen ist Ermessenssache. Die Entscheidung triffst du im nächsten Level.
Was die Geschichte sagt und was nicht#
Von Ende 1987 bis August 2026 brachte der MSCI World 9,08 % pro Jahr, gemessen in US-Dollar, mit reinvestierten Dividenden, vor Kosten und Steuern.
In Euro, Franken oder Złoty sieht die Zahl für jedes einzelne Jahr anders aus, weil sich auch Wechselkurse bewegen. Am Muster ändert das nichts.
Schön. Jetzt die andere Hälfte: Derselbe Index verlor zwischen dem 31. Oktober 2007 und dem 9. März 2009 57,46 %.
Die beiden Zahlen gibt es nur im Paket. Die langfristige Rendite ist die Bezahlung dafür, dass du die Einbrüche aussitzt. Historische Renditen sind keine Versprechen, und die nächsten Jahrzehnte können besser oder schlechter laufen. Ich glaube, der nächste große Einbruch ist näher, als die meisten hören wollen. Zum Planen würde ich deshalb eine niedrigere Zahl nehmen als die historische und mich freuen, wenn die Realität sie schlägt.
Probier’s gleich hier: Stell die Rendite auf 5 % statt 7 % und schau, was übrig bleibt.
Diese Lektion ist Bildung, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Nächstes Level: Du baust die Maschine zusammen – Broker, Fonds, Aufteilung und ein Sparplan, der von allein läuft.
Mission
Quiz · 3 Fragen
Quellen#
Level 3
Fertig gelesen?Mission abhaken, Quiz beantworten, XP abholen. Oder hol sie dir einfach so, ich bin nicht dein Lehrer.
Wissen, keine Beratung. Ich kenne deine Situation nicht, und vergangene Renditen versprechen gar nichts. Prüf meine Zahlen, dann entscheide selbst. Du bist erwachsen.